NABU: Der Vogel des Jahres 2001

Haubentaucher  

... ist der Haubentaucher (Podiceps cristatus).

Der Haubentaucher ist der erste Wasservogel in der Liste der bisher 31 Vögel des Jahres, die durch den NABU und den LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern) gewählt wurden. Mit ihm wird nicht nur ein auffälliger und sehr schöner Vogel unserer Heimat vorgestellt, sondern es soll auch auf die immer noch aktuelle Gefährdung seines Lebensraumes hingewiesen werden.

Zwar hat in den letzten Jahren die ganzjährige Schonzeit, die Ausweisung vieler Feuchtgebiete als Schutzgebiete und die Verbesserung der Wasserqualität dazu geführt, daß einige Wasservogelarten ihre Bestände stabilisiert haben. Viele Arten sind aber durch den ständigen Lebensraumverlust immer noch stark gefährdet. Gerade die Störung durch Wassersportler, Angler und andere Erholungssuchende, oft ohne Wissen und böse Absicht, führen zum Verlassen der Nester und damit zum Brutverlust. Untersuchungen haben gezeigt, daß schon ein einziger Angler oder Surfer zur erheblichen Störung werden kann. Streß und hoher Energieaufwand bei der Flucht führen zu einer Verminderung der Fitneß und damit zu weit geringerem Bruterfolg. Auch unterliegt der Haubentaucher trotz ganzjähriger Schonzeit noch immer dem Jagdrecht, und eine mögliche Einführung einer Jagdzeit wie bei Graureiher, Kormoran und anderen Vögeln schwebt noch immer als Damoklesschwert über ihm.

Der Haubentaucher gehört zur Familie der Lappentaucher, die nach breiten Zehenlappen, anstelle von Schwimmhäuten, benannt werden durch die sie optimal ans Tauchen angepaßt sind. Seine nächsten europäischen Verwandten sind Rothalstaucher, Schwarzhalstaucher, Ohrentaucher und Zwergtaucher, von denen nur der letzte als kleinster der Familie ebenfalls in unserer näheren Umgebung brütet.
    Der Haubentaucher besiedelt stehende und langsam fließende Gewässer mit geeigneten Ufern für seinen Neststandort. In unserer Region tritt er erst seit der Entstehung der Talsperren und Baggerseen auf.
    Er ist mit 50 cm Körperlänge etwa so groß wie eine Stockente. Als Tauchvogel liegt er aber viel tiefer im Wasser. Sein durch die schwarze Federhaube gekrönter Kopf , der weiße Vorderhals und der starke dunkelrote Schnabel unterscheiden ihn gut von anderen Wasservögeln.
    Besonders interessant ist sein Verhalten zur Brutzeit im März bei der er eindrucksvolle Balzrituale zeigt. Sein Nest baut er am Wasserrand der Pflanzenzone direkt an der Wasseroberfläche oder schwimmend und legt darin 3 bis ausnahmsweise 7 weiße Eier. Männchen und Weibchen brüten abwechselnd und decken beim Verlassen des Nestes die Eier zur Tarnung mit Nistmaterial ab. Die gestreiften Jungvögel, die sofort schwimmen können, schlüpfen nach etwa 30 Tagen. Sie werden aber oft zum Schutz vor Hechten und anderen natürlichen Feinden in den ersten Wochen im Rückengefieder der Eltern transportiert. Gefüttert werden sie mit kleinen Fischen und Wasserinsekten. Oft kann man zu dieser Zeit das laute betteln der Jungvögel hören.
    Als Teilzieher überwintern viele Haubentaucher auf dem Bodensee aber auch auf Küstengewässern wie dem Ijsselmeer (Niederlande). Einige bleiben aber auch in nicht zu starken Wintern in unserer Region.

Im Bergischen Land finden wir den Haubentaucher als Brutvogel auf den großen Talsperren. Da sein Neststandort aber stark vom Wasserstand abhängig ist kommt es dort oft zu Brutverlusten. Bessere Bedingungen findet er an den Baggerseen im Rheinvorland. Hier wird er allerdings durch den starken Druck der Erholungssuchenden oft bei der Brut gestört. In Solingen selbst können wir ihn im Normalfall nur auf der Sengbachtalsperre suchen. Während der Zugzeit kann er aber auch an anderen kleineren Gewässern kurzzeitig auftreten.

Sollten Sie Informationen und Beobachtungen des Haubentauchers oder seiner Verwandten in Solingen machen, teilen Sie dies uns doch bitte mit. Wir freuen uns über jede Nachricht und Anregung von Ihnen. Weitere Informationen finden Sie auf bzw. in:

Internetseiten zum Haubentaucher:

Literatur:


NABU-Leitseite nach oben Vogel des Jahres 2000