NABU: Der Vogel des Jahres 2002

Haussperling
NABU
 

... ist der Haussperling.

Wer kennt ihn nicht, unseren Hausperling, den Spatz? Spatzen gab es früher doch an jeder Ecke. In der Stadt, auf dem Land, überall sah man sie oder hörte ihr eintöniges Tschilpen. Oft waren sie nicht gern gesehen, denn sie fraßen den Hühner die Körner weg und machten sich gern über das frisch ausge-brachte Saatgut her. Die Grashalme ihrer unförmigen Nester ragten aus vielen Dachnischen hervor. Sehr ordentlich gebaut waren diese Nester ja nie. Auch im Winter bei der Vogelfütterung tauchten sie in Massen auf und "stahlen" den Meisen, Finken, Rotkehlchen und an-deren Vögeln das Futter weg. Mein Vater ging, wenn ihm das Treiben zu toll wurde, zur Terrassentür und klatschte dann laut in die Hände. Viel half das nicht, denn nach einem kurzen Augenblick waren sie alle wieder da. Zuerst waren sie ja ziemlich tol-patschig bei ihrem Versuch, an Meisen-knödel oder anderes frei hängendes Futter zu gelangen. Aber sie lernten schnell, und bald waren sie auch dort die Ersten. Die Spatzen waren oft lästig, und keiner machte sich viele Gedanken um sie. Sie ge-hörten zum Alltag und waren nicht wegzu-denken. In den letzten Jahren aber scheint es auch unseren Spatzen nicht mehr gut zu gehen. In den Städten und vor allem in den Neu-bausiedlungen sieht man sie so gut wie gar nicht mehr. Aber auch im ländlichen Be-reich muß man schon nach ihnen suchen. Selbst an der Winterfütterung sind sie sel-tener geworden. Wie kann denn so ein typischer Kulturfol-ger und Allerweltsvogel wie der Haussper-ling Probleme bekommen? Was hat sich geändert? Was fehlt ihm in seiner heutigen Umwelt? Kein Vogel war in der Umgebung der Häuser häufiger anzutreffen als der Haus-sperling, und weil er so allgegenwärtig war, wurde er kaum beachtet. Auch in der Wissenschaft wurde er übersehen. Wer befaßt sich schon mit so einem gewöhnli-chen Vogel? Von keiner heimischen Vo-gelart gibt es so wenige Erkenntnisse wie von unserem Spatzen. Fast hätten wir nicht einmal bemerkt, wie stark seine Bestände in den letzten Jahren zurückgegangen sind. NABU/Siegel Für den NABU und den Landesbund für Vogelschutz (LBV) gab es deshalb gute Gründe, den Haussperling zum Vogel des Jahres 2002 zu küren. Ihr/Euer Helmut Sang


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